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Cannabis kann psychotische Symptome auslösen

 
Psychiater befürchten eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber psychiatrischen Erkrankungen. Experimente in der Onlineausgabe von Neuropsychopharmacology (2004 doi:10.1038/sj.npp.1300496) zeigen jetzt, dass die Droge unter Umständen psychotische Symptome auslösen kann, die allerdings nicht von anhaltender Wirkung sind.

Ob Cannabiskonsumenten ein erhöhtes Risiko auf psychiatrische Erkrankungen haben, wird seit Jahren heftig diskutiert, ohne dass dies abschließend geklärt werden konnte. Wie John Macleod von der Universität Birmingham jüngst in einer Meta-Analyse (Lancet 2004; 363: 1579-88) ausführte, besteht das Problem der meisten epidemiologischen Studien darin, dass sie häufig nicht zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden können.

Es erscheint durchaus plausibel, dass beispielsweise Patienten mit Psychosen eher als Gesunde dazu neigen, illegale Drogen zu konsumieren, um ihre Probleme zu verdrängen. Der häufige Konsum von Cannabis wäre dann die Folge und nicht die Ursache der psychologischen Erkrankung.

In den letzten Jahren ist das Interesse an einem Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychosen aus einem anderen Grund wieder angestiegen. Die Grundlagenforscher vermuten nämlich, dass die Cannaboid-Rezeptoren in der Pathophysiologie von Psychosen eine Rolle spielen. Forscher der Yale Universität in New Haven/Connecticut führten deshalb eine Laborstudie mit 22 gesunden Probanden durch, die Cannabis konsumierten. Es bestanden zwar keine Zeichen der Abhängigkeit, doch bei einigen Personen wurde eine Anfälligkeit auf psychotische Symptome gefunden.

Bei diesen Probanden konnten die psychotischen Symptome durch eine intravenöse Gabe von delta-9-THC, der aktiven Droge in Cannabis, provoziert werden, berichten Cyril D'Souza und Mitarbeiter jetzt. Die Symptome dauerten zwischen einer halben und einer Stunde. Es kam zu Positiv- und Negativsymptomen der Schizophrenie: Die Probanden entwickelten Wahrnehmungs- und Denkstörungen oder auch Wahnvorstellungen, Affekt und Spontaneität waren herabgesetzt, die Ängstlichkeit war erhöht, Gedächtnis und Aufmerksamkeit herabgesetzt. Die Kortisonkonzentration im Serum stieg an. Bei einer Nachuntersuchung der Probanden nach einem, drei und sechs Monaten waren die Teilnehmer wieder völlig unauffällig.

Es könnte also sein, dass es sich eher um einen akuten Effekt, nicht aber eine langfristige Folge des Drogenkonsums handelt. Die Autoren sind in ihrer Schlussfolgerung jedoch sehr zurückhaltend. Weitere Studien müssten folgen, um die Hypothese zu erhärten.